Totenvesper und Exequien für
Dechant Msgr. Pfr. i. R. Wilhelm Löhers

Das Sechswochenamt
wurde gehalten,
am 20. Dezember 2009
um 10.00 Uhr
in St. Konrad.
Anzeigen im Kölner Stadtanzeiger vom 11.11.2009


Nachruf für Pastor Wilhelm Löhers Msgr

Völlig unerwartet starb Monsignore Pfarrer i. R. Wilhelm Löhers in den Abendstunden des 7. November 2009, im Alter von 76 Jahren, in Bad Münstereifel. Dort hatte er sich mit einer Gesellschaft getroffen um einen anstehenden Geburtstag gebührend zu feiern. Während er sich kurzfristig von der Gesellschaft entfernte brach er zusammen und verstarb.

Als sich die Nachricht von seinem Tode in seiner originären ehemaligen Wirkungsstätte in der Pfarre Christi Geburt verbreitete reagierten die Menschen, die ihn fast 40 Jahre in seiner Funktion als Pfarrer kannten betroffen und erschüttert. Mit seinem Tod verlieren die Kirche und die Gemeinden vor Ort einen volksnahen Priester, der fast alle Gemeindemitglieder persönlich kannte, unermüdlich für ihr Wohl arbeitete und mit vielen neuen zukunftsweisenden Ideen die Kirchengemeinde und den Stadtteil Köln-Bocklemünd und Mengenich geprägt hat. Für seine ihm anvertrauten Gemeindemitglieder war er ein Seelsorger mit einem offenen Ohr für alle Sorgen und Nöte.

Pastor Löhers – so wollte er immer genannt werden auch wenn ihm andere Ehrenbezeichnungen verliehen wurden - wurde am 4. März 1933 in Solingen geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und dem Gymnasium machte er am Quirinus-Gymnasium in Neuss 1954 sein Abitur. In Bonn und in Köln studierte er von 1954 bis 1960 Theologie. 

Am 11. Februar 1960 wurde er von Kardinal Frings  im Hohen Dom zu Köln zum Priester geweiht und feierte am 24. Februar 1985 mit der Gemeinde sein silbernes Priesterjubiläum - im nächsten Jahr hätte er sein 50. Priesterjubiläum feiern dürfen, das er schon gedanklich in Planung hatte.

Nach sieben Jahren als Kaplan an der Pfarre Christ König in Neuss, wurde er von Kardinal Frings als Kaplan nach Köln zu der Gemeinde St. Johannes v. d. Lat Tore berufen mit dem Auftrag, im neuen Siedlungsgebiet Köln-Bocklemünd/ Mengenich eine neue Pfarrgemeinde mit Kirche und Pfarrzentrum aufzubauen und zu leiten. Damit sollte die Kirche zu den Menschen kommen, die aus allen Himmelsrichtungen und Stadtteilen Kölns in den jungen Stadtteil strömten. In dieser Zeit des Neuanfangs war Pastor Löhers genau der Richtige, der zielstrebig die Interessen der Kirche verfolgte ohne dabei die Nähe zu den Gemeindemitgliedern und ihr Wohl aus dem Blick zu verlieren.

Nach provisorischem Aufenthalt in einem Gottesdienstzelt rückte dann im Jahre 1972 der große Tag der Einweihung und Segnung des Gotteshauses durch Kardinal Höffner immer näher. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits zum Pfarrer ernannt. Die Kirche selbst erhielt auf seinen Vorschlag hin den Namen Christi Geburt, die in ihrer architektonischen Gestaltung ebenfalls seine Handschrift trägt.

Ein ganz besonderes Kapitel bildet die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche.

Schon im Frühjahr 1975 als die Pfarrerin Frau Renate Graffmann ihren Einführungsgottesdienst in der evangelischen Auferstehungskirche feierte, läuteten die Glocken von Christi Geburt. Seit dieser Zeit war die Zusammenarbeit beider Kirchen von gegenseitigem Respekt, Verständnis und Harmonie geprägt -  eine sensible Ökumene auf hohem Niveau.

Sein außerordentlich gut ausgeprägtes Organisationstalent gepaart mit der Erkenntnis, dass man die Familien vor Ort in pastoraler und seelsorgerischer Hinsicht stärken müsse, war in den nächsten Jahren gefragt. So war er viele Jahre als Vorsitzender bzw. Vorstandsmitglied und geistlicher Beirat von Haus Hochwald e. V. segensreich tätig. Unter seiner Mitwirkung wandelte sich das Haus von einem einfachen Ferienheim zu einem gemeinnützigen vier Sterne-Familien-Hotel, in dem unzählige Familien geistliche Begleitung erhielten. Er hatte erkannt, dass er die Menschen dort abholen musste, wo sie „zu Hause waren“, d. h. er ging auf Sie zu, ging zu Ihnen in die kirchlichen und nichtkirchlichen Gruppierungen um dort Begegnung zu ermöglichen und immer wieder Menschen zu finden, die er für seine Ziele begeistern konnte.

Er suchte aber nicht nur Mitstreiter, nein er arbeitete unermüdlich und oft bis an die Grenzen der Belastbarkeit  in den Gruppierungen selbst mit. Hier eine sicher nicht vollständige Aufzählung seiner Aktivitäten:

-        Gründungsmitglied der DJK

-        Geistlicher Beirat des kath. Sportbundes Deutsche Jugendkraft

-        Gründungsmitglied und Präses der KAB Köln-Bocklemünd

-        Bezirkspräses der KAB im Bezirksverband Köln

-        Dekanatsmännerseelsorger im Dekanat Köln-Ehrenfeld

-        Kfd- Dekanatspräses

-        Mitinitiator zur Entstehung der Vertretung des Provinzialates in Deutschland der Schwestern von der Liebe Gottes in Köln-Bocklemünd/Mengenich (Casa Usera)

-        Gründungsmitglied des Kirchbauvereins

-        Gründungsmitglied des Krankenpflegevereins

-        Gründungsmitglied des ökumenischen Hospizdienstes im Kölner Westen und Beiratsmitglied bis 2006

-        Mitglied und Ehrenmitglied in vielen kirchlichen Gruppierungen in den Gemeinden Christi Geburt, St. Johannes v. d. Lat. Tore und St. Konrad

1986 wurde er von den Priestern des Dekanates Köln-Ehrenfeld zum Dechanten gewählt. Dieses Amt übte er insgesamt 18 Jahre aus – und das in einer Zeit, die durch permanente Strukturdebatten, Personalplananpassungen und Organisationsänderungen geprägt waren, was oft mit schmerzlichen Eingriffen in bestehende Gemeindestrukturen einherging.

1989 erhielt er eine zweite Pfarrei für die er verantwortlich war – Johannes vor dem Lat. Tore in Alt-Bocklemünd. Dort wirkte er viele Jahre als Vorsitzender bzw. im Vorstand des Brigidavereins e. V. und als Vorsitzender des Aufsichtsrates des Brigida Senioren-heimes eGmbH mit.

Ein Höhepunkt  in seinem Leben war der Besuch und die Eintragung ins Zelebrationsbuch durch Papst Johannes Paul ll in „seiner Gemeinde“ Christi Geburt. Sein Lebenswerk wurde im Jahre 1992 durch die Ernennung zum „Ehren-Kaplan Seiner Heiligkeit“ gekrönt. Diese Auszeichnung durch Papst Johannes Paul II verlieh Pastor Löhers den Titel Monsignore – seine offizielle Anrede lautete nun „Herr Prälat“.

In seinem Leben hat er stets versucht als „Nothelfer“ Menschen in Not und finanzieller Bedrängnis zu unterstützen und zwar vor der eigenen Haustür in seinen Gemeinden (durch Mitarbeit im Verein „Helfen durch geben – Der Sack e. V. und durch Zuwendung der Ortscaritas im Seelsorgebereich) aber auch durch Unterstützung bei Hilfsprojekten im Heiligen Land (als Mitglied des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, oder aber als Förderer der Missions- oder Dritte-Welt-Projekte im Seelsorgebereich).

2001 wurde er von Kardinal Meisner zum moderierenden Pfarrer im Seelsorgebereich Bocklemünd/Mengenich und Vogelsang ernannt; ein Bereich mit etwa 12.000 Katholiken. Sein großer Wunsch und immer wieder erklärtes Ziel war das Zusammenwachsen der drei unterschiedlichen und zum damaligen Zeitpunkt noch eigenständigen Gemeinden zu einem starken Seelsorgebereich. Durch zwangsläufig auftretende Rückschläge ließ er sich von seiner Vision des stärkeren Zusammengehens nicht entmutigen. Er war es schließlich auch, der am Ende seiner Amtszeit, in der er zunehmend von Krankheit gezeichnet war, alle Energie darauf verwandte die Ordensgemeinschaft der Michaeliten (CSMA) in die Pfarreiengemeinschaft zu holen und damit die Versorgung mit Geistlichen zu sichern.

Für sein großes soziales Engagement im gesellschaftlichen Leben des Stadtteils Bocklemünd überreichte der damaligen Oberbürgermeister der Stadt Köln, Norbert Burger, im Auftrage des Bundespräsidenten, ihm am 11. August 1999 das Verdienstkreuz am Bande.

In seiner Zeit als geistlicher Leiter der drei Pfarrgemeinden hat er nie vergessen denen zu danken, die ihm in den vielen Jahren seiner segensreichen Tätigkeit unterstützend und beratend zur Seite gestanden haben. Für ihn war es selbstverständlich sich nicht als Einzelkämpfer zu sehen, sondern viele Menschen mit in das Boot der Kirche zu nehmen und Entscheidungen zu delegieren.

Pastor Antoni Trojak, CSMA

Leitender Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft

Bocklemünd/Mengenich und Vogelsang